Rollage

Rollage: Idee für eine Collage mal anders

Wie du sicher schon mitbekommen hast, arbeite ich in der Mutmalerei am liebsten mit Zufallstechniken, aber natürlich nicht ausschließlich. Mir ist alles willkommen, was der Mutmalerei dienlich ist, unsere Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks, den Wortschatz unserer eigenen Bildsprache erweitert.

 

Die Rollage (kein Schreibfehler) ist eine besondere Form der Collage, erfunden von dem tschechischen Künstler Jiří Kolář (1914–2002).

 

Bei der klassischen Streifenrollage werden zwei Bilder in jeweils gleich große Streifen zerschnitten und diese dann abwechselnd nebeneinander zu einem neuen Bild zusammengeklebt. Unsere Wahrnehmung wird bei der Betrachtung der Rollage verzerrt. Gar nicht so einfach zu erkennen, was genau dort dargestellt wird. Es ist total spannend, in diese scheinbar vibrierenden Wellen eines solchen Streifenbildes einzutauchen, aber am besten du probierst es selbst mal aus.

 

Unten findest du eine Anleitung für verschiedene Varianten der Rollage.

Wofür eignet sich die Rollage?

Mit der Rollage kannst du

 

… ein bestimmtes Thema von zwei Seiten beleuchten.

 

… Beziehungen zwischen Orten, Personen oder Objekten darstellen.

 

… eine Dualität, die sprichwörtlichen zwei Seiten einer Medaille, aufzeigen.

 

… ein Thema aus verschiedenen Perspektiven betrachten und auf dich wirken lassen.

 

… gegensätzliche Gefühle aufzeigen und integrieren.

 

… ein Selbstportrait erstellen, das verschiedene Seiten, Rollenbilder oder Werte von dir zeigt. Im Bild unten siehst du eine Selbstportrait Rollage von mir. Erkennst du auch das Motiv des zweiten Bildes?

 

… nützliche Erkenntnisse durch den Perspektivenwechsel und die Zusammenführung oft gegensätzlicher oder widersprüchlicher Elemente gewinnen.

 

… Spaß haben, was ja auch nicht ganz unwichtig ist. ;-)

Anleitung – So erstellst du eine Rollage

1.    Überlege dir zunächst ein Thema, das du darstellen und mit dieser speziellen Collage kreativ bearbeiten möchtest.

 

2.    Wähle passend zu deinem Thema zwei gleich große Bilder mit derselben Ausrichtung (Hoch- oder Querformat). Beachte bei der Auswahl der Ausgangsgröße, dass die Rollage später die doppelte Größe haben wird. Du kannst die Bilder selbst malen, dir welche ausdrucken oder aus Zeitschriften ausschneiden.

 

3.    Schneide beide Bilder in gleich breite Streifen. Je schmaler du die Streifen schneidest, desto schwieriger wird es, sie später exakt nebeneinander zu kleben und etwas in der Rollage zu erkennen. Schneide daher lieber etwas breiter, bei Ausgangsformaten in Postkartengröße kann ich dir eine Streifenbreite von 1-2 cm empfehlen. Achte darauf, dass die Reihenfolge der Streifen erhalten bleibt, damit du später nicht die Nadel im Heuhaufen suchen musst.

 

4.    Klebe die Streifen abwechselnd und der Reihe nach auf ein Blatt oder einen Karton. Starte also mit dem ersten Streifen von Bild 1, dann der erste Streifen von Bild 2, der zweite Streifen von Bild 1, der zweite Streifen von Bild 2, usw., bis alles vollständig aufgeklebt ist.

 

 

5.    Nutze die entstandene Rollage, um dich nochmal intensiver mit deinem Thema auseinander zu setzen, während du in dein Werk eintauchst. Betrachte jedes Bild für sich (unser Gehirn kann das, auch wenn das Bild zerstückelt ist) und was durch die Kombination entstanden ist. Versuche, für dich nützliche Impulse und Erkenntnisse aus deinem Bild zu ziehen. Was kannst du daraus für dich und in Bezug auf das Thema für dich mitnehmen?

Varianten der Rollage

3D-Rollage

Die 3D-Rollage könnte man auch als Ziehharmonika-Bild beschreiben. Du erstellst eine Rollage wie oben beschrieben und faltest sie dann entlang der Linie zwischen den Streifen abwechselnd nach vorne und nach hinten, so dass eine Zieharmonika entsteht.

 

Ziehe das Bild dann etwas auseinander und stelle es vor dich auf einen Tisch. Bewege dich nun vor dem Bild von einer Seite zur anderen und schau mal, was passiert.

 

Diese Variante eignet sich besonders gut, um darzustellen, wie sich eine Veränderung unseres Standpunkts auf unsere Wahrnehmung auswirkt, im tatsächlichen und auch im übertragenen Sinn. Manchmal müssen wir uns nur ein bisschen bewegen, um eine andere Perspektive und Sichtweise auf die Dinge zu bekommen. Je nach Standpunkt des Betrachters wird mehr das eine Bild, mal das andere Bild wahrgenommen.

Rollage mit Abstand

Um die Bildwirkung zu verändern, klebe die Streifen mal mit etwas Abstand dazwischen auf.

Digitale Rollage

Eine Rollage lässt sich auch digital umsetzen. Ich weiß nicht, welches Bildbearbeitungsprogramm du nutzt oder ob du überhaupt eines hast. Das Prinzip ist aber immer gleich. Wichtig ist, dass du dort mit Ebenen arbeiten kannst. Für Windows kannst du dir z. B. das kostenlose Bildbearbeitungstool paint.net herunterladen, z. B. hier: (https://www.chip.de/downloads/Paint.NET_13015268.html).

 

1.    Du brauchst zwei Bilddateien in derselben Größe für deine Rollage und ein Streifenbild zum Ausschneiden der Streifen. Ich habe dir unten ein Streifenbild erstellt, das du gerne dafür nutzen kannst (Rechtsklick auf das Bild, dann speichern unter). Öffne diese drei Bilddateien in deinem Bildbearbeitungsprogramm.

 

2.    Im Streifenbild auf Datei: Alles auswählen – Bearbeiten: Auswahl kopieren (oder Strg+C) – Dann klickst du auf Bild 2 und fügst mit Strg+V das Streifenbild hinzu (alternativ: Bearbeiten - In neue Ebene einfügen). Das Streifenbild liegt nun auf Bild 1 und bildet einen Stapel aus zwei Ebenen. Wähle das Werkzeug „Zauberstab“. Damit kannst du dann die Streifen einer Farbe ausschneiden, indem du den Streifenbereich mit dem Zauberstab auswählst (einfach mit links auf den Streifen klicken, den du ausschneiden möchtest) und dann auf deiner Tastatur auf Entfernen klickst. Wenn der Streifen entfernt ist, siehst du dort den Ausschnitt des darunterliegenden Bildes.

 

3.    Jetzt wieder auf Datei: Alles auswählen, kopieren mit Strg+C und das Ganze in Bild 2 über Bearbeiten in eine neue Ebene einfügen.

 

4.    Mit dem Zauberstab Werkzeug kannst du jetzt die restlichen Streifen entfernen und fertig ist deine Rollage.

 

 

5.    Schließlich über Ebenen: Ebenen nach unten zusammenführen und deine fertige Rollage abspeichern.

Ich bin total gespannt auf deine Erfahrungen mit der Rollage. Hinterlasse mir gerne einen Kommentar oder teile dein Werk in der Facebook Gruppe der Mutmalerei und tausche dich dort mit anderen Mutmalerinnen aus.

 

Viel Spaß und nur Mut!

 

 

Katrin

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